Straßen-Posse in Berliner Idyll


Bezirke streiten um Zufahrt

B.Z. vom 11.05.2026, 07:03 Uhr

Reinickendorf – Wer am Hohenzollernkanal an den Mäckeritzwiesen spazieren geht, der kann mit einem Bein in Charlottenburg stehen und mit dem anderen in Reinickendorf. Normale Sache an einer Bezirksgrenze, wenn da nicht die Zufahrtsstraße wäre und der Witz von Mäckeritz.

Eine Posse der besonderen Art spielt sich derzeit am Alten Wiesenweg ab. Ab 27. Mai droht über 50 Eigenheimbesitzern und hunderten Kleingärtnern in der Siedlung „Mäckeritzwiesen“ die Isolation. Grund: Der einzige befestigte Zufahrtsweg soll auf Anordnung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf für motorisierten Verkehr gesperrt werden.

Der Weg gehört dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), doch die Verkehrssicherungspflicht ging auf die Bezirke über. Formal ist Charlottenburg verantwortlich, die Anwohner und Pächter der Mäckeritzwiesen gehören jedoch administrativ zu Reinickendorf.

Ein Anwohner berichtet:
„Charlottenburg versuchte monatelang, die Unterhaltungskosten auf Reinickendorf abzuwälzen, doch das wurde abgelehnt. Auch ein Flächentausch wurde als nicht umsetzbar bewertet.“

Da man sich nicht einigen konnte, will Charlottenburg zum drastischen Mittel der Vollsperrung greifen und verweist darauf, der Weg sei Teil des Radweges Berlin-Kopenhagen.

„Offenbar ist unsere Siedlung mit hunderten Betroffenen zum Spielball der Verwaltung geworden“, beschwert sich Anwohner Emilio Paolini.

Rainer (61) und Manuela (59) haben ihren Garten seit 30 Jahren:

„Bisher hat sich niemand an der Situation gestört, alles läuft prima, es gab nie Unfälle. BSR, Paketboten und Pflegedienste kommen regelmäßig. Warum hat niemand vorher mit uns gesprochen? Dann hätten wir bestimmt gemeinsam eine Lösung gefunden“, kritisiert Manuela.

„Da es im Umkreis keine Parkplätze gibt, müssen wir wohl in Siemensstadt parken und mit dem Bus zum Garten fahren.“

Unterstützung erhalten die Betroffenen vom Reinickendorfer Bezirksverordneten Felix Schönebeck (CDU):

„Das ist Irrsinn. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass auf einmal die einzige Zufahrt für die Bewohner komplett gesperrt wird. Diese Entscheidung ist völlig realitätsfern. Ich denke dabei vor allem an Familien mit Kindern, an ältere Bewohner oder an Menschen, die in der Mobilität eingeschränkt sind.“

Schönebeck fordert das Charlottenburger Bezirksamt auf, von der Sperrung abzusehen, und hat eine Petition gestartet.

Es bleiben noch gut zwei Wochen Zeit, bis die Verbotsschilder und Poller im Alten Wiesenweg aufgestellt werden sollen.

Autor: Oliver Ohmann


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